Google stoppt vorläufig CyanogenMod [UPDATE]
Steve „Cyanogen“ Kondik, einer der bekanntesten und besten Entwickler der Custom-Rom-Szene der Android-Plattform, hat von Google eine Unterlassungsanordnung erhalten. Diese zwingt ihn, ab sofort keine Roms mit Google Anwendungen mehr zu veröffentlichen, da diese laut Google nicht Open-Source sind. Das klingt im ersten Moment nicht so schlimm; wenn man aber sieht, welche Applikationen davon betroffen sind, fällt sofort auf, welche Probleme das Ganze mit sich bringt: Google Mail, Google Maps, YouTube, Google Talk und last but not least: der Market. Ja, richtig gelesen, die Anwendung schlechthin, die ein Android-Handy (dessen Firmware ja Open-Source ist) erst so richtig wertvoll macht, ist nicht Open-Source und darf von Dritt-Entwicklern nicht verwendet werden. Warum aber fällt es Google erst jetzt auf, gut ein Jahr nach dem Release der ersten Android-Handys und der nahezu gleichzeitig erschienenen Custom-Roms?
Viele Entwickler und deren „Fans“ vermuten dass es damit zu tun hat, dass Cyanogen auf seinem letzten „experimentellen“ Release bereits die neueste Market-Version implementiert hatte, welche erst offiziell mit dem neuen „Donut“-Update kommen sollte und sich Google damit etwas auf den Fuß getreten fühlte. Inwiefern dies der Wahrheit entspricht, wissen wir nicht und werden wir wohl auch nie wissen.
Natürlich betrifft das Ganze in erster Linie Cyanogen, aber man braucht kein Genie zu sein, um folgern zu können, dass an ihm eigentlich nur ein Exempel statuiert wurde und die Problematik natürlich jetzt schon nahezu alle Entwickler der Android-Custom-Rom-Szene betrifft. Anstatt sich nun aber völlig zurückzuziehen, scheint es so, als würden diese nun zum Gegenschlag in Form von völliger Unabhängigkeit ansetzen. Das OpenAndroid Project (oder auch Open Android Alliance) wurde gegründet und befasst sich damit, wie man die Google-Applikationen durch selbst erstellte oder bereits vorhandene „freie“ Apps ersetzen kann.
Interessanterweise gehört dieser Gruppe auch ein gewisser Jean-Baptiste Queru an, der selbst Software-Entwickler von Google ist. Weiterhin interessant ist, dass er in seinem eigenen Twitter Folgendes schrieb: “To my Apple, Microsoft and Palm buddies: are you hiring to work on mobile stuff?” (zu deutsch: “An meine Apple, Microsoft und Palm Freunde: Stellt ihr momentan Leute für die Arbeit an mobilem (Handys etc.) Zeugs ein?”). Klingt ja fast so, als würde sich die eigene Belegschaft gegen das Vorgehen von Google stellen. Es bleibt spannend und wir halten euch auf dem Laufenden!
[UPDATE] Cyanogen selbst hat nun Stellung bezogen. Er selbst hegt keinen Groll gegen Google und versteht das Ganze sogar; auch wenn er gerne den “Schlüssel zum Königreich” hätte, um deren Apps benutzen zu dürfen. Er wird weiterhin Roms entwickeln; nur dass diese ohne die genannten Google-Apps (und auch ohne die “Sync”-Funktion, die ebenfalls Google gehört) wären – quasi “BareBone”. Dafür wird er ein Programm entwickeln, dass es dem Nutzer ermöglicht, diese Apps von seiner Original-Software zu sichern und diese dann selbst aufzuspielen. Dies scheint eine legale Möglichkeit zu sein. Und alle, die keine Google-Geräte haben, können dann z.B. einen alternativen Market, den er ebenfalls einbauen will, nutzen.

